Mehr fühlen, weniger denken.
Scheiß drauf, was andere sagen. Du kannst es nie jedem recht machen.
7 Tipps, die Du sofort umsetzen kannst
Wenn wir ständig versuchen, die Erwartungen anderer zu erfüllen, verlieren wir leicht aus den Augen, was wir selbst wollen. Mit den folgenden Tipps kannst Du anfangen, weniger zu reagieren und Dein Leben wieder stärker nach Deinen eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Beantworte Dir zunächst die folgenden Fragen:
- Willst Du Dein Leben verändern, weil Du unzufrieden oder unglücklich bist?
- Ist Dir längst klar, dass Dein Leben nicht so verläuft, wie Du es Dir wünschst?
- Willst Du aus der Tretmühle des Alltags ausbrechen und etwas in Deinem Leben verändern?
- Hast Du schon lange ein Projekt im Kopf, das Du endlich in Angriff nehmen willst?
- Willst Du Dein Leben endlich so leben, wie DU es für richtig hältst?
- Hast Du bereits den Entschluss gefasst, etwas zu verändern?
- Willst Du endlich durchstarten, aber irgendwie klappt es nicht so richtig?
Wenn ja, bist Du in guter Gesellschaft. So wie Dir geht es vielen anderen. Die Gründe dafür sind natürlich individuell verschieden. Ein häufiger Hinderungsgrund ist die Gewohnheit. Manchmal kommt die Angst hinzu, anzuecken, unbeliebt zu sein oder sich rechtfertigen zu müssen.
Die Macht der Gewohnheit
Gewohnheiten haben uns oft im Griff, ohne dass wir es merken. Wir tun Dinge so, wie wir sie immer getan haben, weil es vertraut und bequem ist. Oft hinterfragen wir unser Handeln gar nicht mehr. Stattdessen laufen große Teile unseres Alltags auf Autopilot.
Manche Menschen kommen auch deshalb nicht ins Handeln, weil sie zu sehr auf die vielen Meinungen und Empfehlungen von außen hören. Auch gut gemeinte Ratschläge von Menschen, denen wir vertrauen, können uns ausbremsen: „Nein, das wird nichts. Das schaffst Du nicht.“ Oder: „Das kannst Du nicht machen. Was sollen die anderen davon halten?“
Viel zu oft lassen wir unser Handeln von der Meinung anderer bestimmen. Solche Aussagen können uns daran hindern, ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben zu führen. Wir richten uns mehr nach den Erwartungen unseres Umfelds als nach unseren eigenen Wünschen und Bedürfnissen.
Wer dauerhaft gegen die eigenen Bedürfnisse lebt, kann sich zunehmend unzufrieden, erschöpft oder innerlich leer fühlen. Auch der Schlaf und das allgemeine Wohlbefinden können darunter leiden. Auf Dauer kann es sehr belastend sein, in einem Leben festzustecken, das sich nicht wirklich wie das eigene anfühlt.
Mini-Übung: Autopilot stoppen (2 Minuten)
- Innehalten (10 Sekunden): Atme einmal bewusst ein und aus.
- Benennen (20 Sekunden): „Ich bin gerade auf Autopilot, weil …“ Vielleicht steckt eine Gewohnheit, eine Erwartung oder eine Angst dahinter.
- Mini-Wahl (30 Sekunden): Was wäre heute eine kleine Veränderung? Zum Beispiel fünf Minuten nur für Dich, eine klare Absage oder ein erster Schritt für Dein Herzensprojekt.
- Verpflichte Dich (20 Sekunden): Schreibe einen konkreten Satz in Deinen Kalender: „Heute mache ich um 15:00 Uhr …“
- Prüfen (40 Sekunden): Fühlt sich der Schritt machbar an? Wenn nicht, mache ihn noch kleiner und beginne damit.
Setze der Fremdbestimmung jetzt eine klare Grenze und sage:
STOPP!
Ab sofort bestimme ich mein Leben wieder selbst, und zwar nach meinen eigenen Regeln. Ich richte mich nicht länger nur nach den Erwartungen anderer, sondern nehme auch meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse ernst. Ich lebe mein eigenes Leben – nicht das Leben, das andere für mich vorgesehen haben.
Nimm Dein Leben selbst in die Hand und scheiß’ darauf, es allen recht machen zu müssen.
Wenn Du eine oder beide Fragen mit Ja beantwortest, können Dir die folgenden 7 Tipps helfen, etwas zu verändern.
- Hast Du das Gefühl, dass Dein Leben an Dir vorbeizieht, während Du nur noch versuchst, mitzuhalten?
- Hast Du manchmal das Gefühl, in einem Leben festzustecken, das Du Dir so nicht ausgesucht hast?
Tipp 1: Erkenne Dich selbst
Weißt Du eigentlich, wer Du bist?
Nimm Dir Zeit, Dich selbst besser kennenzulernen. Was ist Dir wichtig? Was sind Deine Wünsche und Deine Träume? Das Wichtigste ist, ehrlich zu Dir selbst zu sein und auch das wahrzunehmen, was Du im Alltag vielleicht schon lange zurückstellst.
Am Anfang wird Dir das vielleicht nicht ganz so leichtfallen. Wenn Du Dich über Jahre stark an anderen orientiert hast, brauchst Du Zeit, um wieder herauszufinden, was wirklich zu Dir gehört und was Du nur übernommen hast.
Denke an Deine Kindheit zurück und überlege, was Du damals am liebsten gemacht hast.
- Was hat Dir besonders gut gefallen?
- Was ist Dir damals besonders leichtgefallen?
Solche Erinnerungen können Dir Hinweise darauf geben, was Dir Freude macht, was Dir leichtfällt und was Dir vielleicht bis heute wichtig ist. Nicht jede frühere Vorliebe muss ein verborgenes Talent sein. Sie kann Dir allerdings dabei helfen, Dich selbst wieder etwas besser kennenzulernen.
Mache Dich selbst zur Priorität auf Deiner To-do-Liste. Lerne Dich besser kennen – und damit auch Deine eigenen Wünsche und Träume.
Fassaden und Masken, hinter denen Menschen sich verstecken, entstehen nicht ohne Grund.
Schon als Kinder lernen wir von unseren Eltern und unserem Umfeld, dass Zugehörigkeit oft auch Anpassung bedeutet. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit Gegenwind oder Ausgrenzung rechnen. Deshalb passen wir uns früh unserer Umgebung an und versuchen, möglichst nicht negativ aufzufallen.
Dabei kann der Kontakt zu den eigenen Ansichten und Wünschen nach und nach in den Hintergrund geraten. Bis zum Erwachsenenalter haben manche Menschen so stark verinnerlicht, was von ihnen erwartet wird, dass sie ihre eigene innere Stimme kaum noch wahrnehmen. Sie wieder zu hören, ist ein wichtiger Schritt, um sich der eigenen Wünsche und Träume bewusster zu werden.
Das bedeutet nicht, dass Du Dich ständig mit jedem einzelnen Gedanken auseinandersetzen musst. Es geht vielmehr darum, wahrzunehmen, was sich für Dich stimmig oder unstimmig anfühlt, ohne es sofort zu bewerten oder zu zerdenken.
Auch wenn Du glaubst, keine Zeit dafür zu haben: Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, finden wir meistens eine halbe Stunde pro Woche – vielleicht sogar mehr. Dein Leben, Dein Glück und Deine Gesundheit sind es wert. Starte jetzt und mache Dich zur Priorität auf Deiner To-do-Liste. Lerne Dich besser kennen und finde heraus, was Du wirklich willst.
Aus der Praxis
Eine meiner Klientinnen, nennen wir sie Sabine, war alleinerziehende Mutter einer damals fünfjährigen Tochter.
Als Sabine zu mir ins Karriere-Coaching kam, hatte sie gerade ihren Job als Filialleiterin bei einem bekannten Telekommunikationsunternehmen verloren. Auch privat lief es nicht rund. Entsprechend gering war ihr Selbstwertgefühl.
Das Arbeitsamt hatte ihr geraten, sich auf eine Vollzeitstelle zu bewerben und erst im Vorstellungsgespräch zu erwähnen, dass sie wegen ihres Kindes nur in Teilzeit arbeiten könne.
Davon habe ich ihr als ehemalige Personalleiterin abgeraten. Wenn eine Stelle ausdrücklich in Vollzeit ausgeschrieben ist, sollte der Wunsch nach Teilzeit nicht erst im Vorstellungsgespräch zur Sprache kommen. Erwähnst Du ihn bereits in Deiner Bewerbung, spielst Du mit offenen Karten und das Unternehmen kann entscheiden, ob eine Teilzeitlösung grundsätzlich infrage kommt. Vertrauen gegen Vertrauen, Transparenz gegen Transparenz – Geben und Nehmen.
Abgesehen davon, dass sie „nur“ eine Teilzeitstelle annehmen konnte und ihr der Vorschlag des Arbeitsamtes nicht zusagte, wollte sie am liebsten Autorin werden. Schreiben ist ihre Leidenschaft.
„Davon kann ich doch nicht leben“… „Außerdem habe ich keine Zeit dafür“… „Andere können das viel besser als ich“… „Wer soll denn mein Buch kaufen?“… waren nur einige Aussagen, die ich immer wieder von ihr hörte.
Neben Bewerbungstraining und Übungen zur Steigerung des Selbstbewusstseins erarbeiteten wir einen Plan und schauten, wie viel Zeit sie für welche Bereiche ihres Lebens reservieren musste und welche davon sie streichen konnte. Zugegeben, ihr Zeitplan war eng. Doch siehe da: Frühmorgens oder spätabends, wenn die Kleine schlief, konnte sie sich an den Laptop setzen und an ihrem Buch schreiben.
Gesagt, getan. Heute, 4 Jahre später, hat Sabine 3 Bücher veröffentlicht, das 4. ist in Arbeit. Darüber hinaus wird sie für Lesungen gebucht und ist auch als Traurednerin tätig – die liebevollen Texte für die Hochzeiten schreibt sie ebenfalls selbst.
Übrigens hat sie eine Teilzeitstelle gefunden, die zu ihr passt – und das, obwohl sie von Anfang an authentisch mit offenen Karten gespielt hat. So konnte sie sich in Ruhe aufs Schreiben konzentrieren und ist nun dabei, ihre Selbstständigkeit rund ums Schreiben weiter auszubauen.
Es gibt nicht nur schwarz oder weiß…. Entweder – oder… Sehr oft gibt es ein „auch“… Wir brauchen nur um die Ecke denken und genau hinzuschauen.
Wenn Du also eine Leidenschaft hast, die Du gerne ausleben würdest, gibt es vielleicht einen Weg, der überraschend einfach ist.
Lesetipp: Was ist Resilienz?
Wenn Du innere Stärke vertiefen willst, ist dieser Artikel vielleicht interessant für Dich.

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Tipp 2: Definiere Deine Werte
Wer sich stark an den Erwartungen anderer orientiert, verliert leicht die eigenen Ziele aus den Augen. Wie soll man sie auch erreichen, wenn man gar nicht mehr genau weiß, wer man ist, was man selbst möchte und welche Ziele man vielleicht von anderen übernommen hat?
Wenn wir den Kontakt zu unseren eigenen Vorstellungen verlieren, können auch gut gemeinte Ratschläge unsere Sicht verzerren. Äußere Hindernisse wirken dann schnell unüberwindbar. Um Dein Leben nach Deinen eigenen Vorstellungen zu gestalten, ist es wichtig, Dich auf Deine Werte zu besinnen. Nimm Dir deshalb Zeit, um herauszufinden, was Dir in Deinem Leben wirklich wichtig ist und was eher aus Anpassung entstanden ist:
- Willst Du einen Job, der Dir in erster Linie Spaß macht und Deinen ethischen Grundsätzen entspricht, auch wenn er auf den ersten Blick vielleicht nicht besonders lukrativ erscheint? Bei genauerem Hinsehen lassen sich viele vermeintliche Traumberufe durchaus verwirklichen.
- Oder willst Du vor allem viel Geld verdienen, während die Tätigkeit selbst für Dich weniger wichtig ist?
- Willst Du reisen oder ein Haus bauen?
- Möchtest Du einen Tanzkurs besuchen oder eine neue Sprache lernen?
- Willst Du lieber mit Kindern oder mit Tieren arbeiten als in einer Bank?
- Oder möchtest Du lernen, wie Du auch in einem routinierten, scheinbar langweiligen Alltag glücklich sein kannst?
Nimm Dir Zeit, um Deine persönlichen Werte und Wünsche zu definieren. In meinen Coachings erlebe ich immer wieder, dass Klientinnen und Klienten zunächst zu wissen glauben, wer sie sind, was sie wollen und was ihnen im Leben wichtig ist. Bei genauerem Hinsehen stellen viele jedoch fest, dass sie es doch nicht so genau wissen, wie sie dachten, und dass es ihnen manchmal schwerfällt, davon zu erzählen.
Finde deshalb heraus, welche Werte, Wünsche und Talente wirklich zu Dir gehören. Stehe zu ihnen und gib ihnen Raum. Dabei geht es nicht darum, die Meinung anderer vollständig auszublenden, sondern sie nicht automatisch über Deine eigenen Vorstellungen zu stellen.
Es geht um Dich und darum, wie Du leben möchtest. Wenn Du Deine eigenen Werte kennst, kannst Du bewusster Entscheidungen treffen und Dein Leben nach Deinen Vorstellungen gestalten.
Mini-Übung: Werte-Check und Mikro-Entscheidung (3–5 Minuten)
Teil A – Werte-3er-Check
- Welche drei Werte sind Dir heute am wichtigsten?
- Woran würdest Du heute Abend erkennen, dass Du nach ihnen gelebt hast?
- Was passt heute nicht zu Deinen Werten – und was lässt Du deshalb sein?
Teil B – Mikro-Entscheidung statt Grübeln
- Lege eine Sache fest, mit der Du Dich höchstens zehn Minuten beschäftigen möchtest.
- Starte jetzt einen Fünf-Minuten-Timer und fange an.
- Wenn Widerstand aufkommt, sage Dir: „Es geht nicht um Perfektion, sondern ums Anfangen.“
- Gönne Dir danach etwas, das Dir guttut: ein anerkennendes Wort an Dich selbst, eine Tasse Tee oder 60 Sekunden Musik.
Nur wenn Du Du selbst bist, ziehst Du die richtigen und wahren Menschen an. Menschen, die DICH mögen und die DU in Deinem Leben haben willst.
Tipp 3: Sei Du selbst
Nimm die Maske ab und verstecke Dich nicht länger!
Lache, wenn Dir danach ist, sage Deine ehrliche Meinung und lerne, auch mal „Nein“ zu sagen. Nimm Deine Maske ab – am besten nicht alle auf einmal, sondern eine nach der anderen.
Mache Dir zunächst bewusst, welche Masken Du im Alltag trägst: in der Familie, bei der Arbeit, gegenüber den Nachbarn, bei Veranstaltungen oder bei einem Geschäftsessen. Nicht jede Rolle ist automatisch falsch. Schwierig wird es, wenn Du Dich ständig verstellst und irgendwann selbst nicht mehr weißt, was Du eigentlich denkst, fühlst oder willst.
Es geht nicht darum, launisch, undiplomatisch oder kompromisslos zu sein. Kompromisse einzugehen, die
eigenen Gedanken nicht immer ungefiltert auszusprechen und sich manchmal zurückzunehmen, ist bis zu einem gewissen Grad wichtig für ein konstruktives Miteinander.
Die Sorge, anzuecken oder nicht mehr von allen gemocht zu werden, ist trotzdem verständlich. Denn nicht jeder wird Dich so mögen, wie Du wirklich bist. Und das ist auch nicht schlimm. Umgekehrt möchtest Du ja auch nicht jeden Menschen in Deiner Nähe haben. Menschen, die sich aus Angst vor Konflikten oder Ablehnung immer zurücknehmen und zu allem Ja sagen, werden schließlich ebenfalls nicht von allen gemocht. Man kann es nie allen recht machen. Umso wichtiger ist es, sich dabei nicht selbst zu verlieren und mit sich im Reinen zu sein.
Manche Beziehungen können sich verändern, wenn Du deutlicher zeigst, wer Du bist und was Du willst. Gleichzeitig entsteht dadurch Raum für Menschen, die Dich so kennenlernen können, wie Du wirklich bist. Wenn Du Dich authentisch zeigst, ziehst Du eher Menschen an, die zu Deiner Art, Deinen Werten und Deinen Vorstellungen passen. So können Beziehungen entstehen, in denen Du Dich nicht ständig verstellen musst.
Tipp 4: Übernimm Verantwortung
Übernimm Verantwortung für das, was Du verändern kannst.
Als Kinder und Jugendliche sind wir stark von den Erwachsenen und den Umständen abhängig, in denen wir aufwachsen. Auch als Erwachsene können wir nicht alles frei bestimmen. Krankheit, finanzielle Zwänge, familiäre Verpflichtungen oder schwierige Arbeitsbedingungen können unseren Handlungsspielraum erheblich einschränken.
Trotzdem haben wir häufig mehr Einfluss auf die Richtung unseres Lebens, als wir zunächst glauben. Verantwortung zu übernehmen bedeutet dabei nicht, sich für alles die Schuld zu geben. Es bedeutet, ehrlich zu prüfen: Was kann ich selbst verändern? Wo kann ich eine Grenze setzen? Welche Entscheidung kann ich treffen? Und wo brauche ich Unterstützung?
Beginne damit, nicht ausschließlich Dein Umfeld – Deinen Partner, Deine Eltern, Deine Vorgesetzten oder die äußeren Umstände – für Deine Unzufriedenheit verantwortlich zu machen. Andere Menschen und bestimmte Gegebenheiten beeinflussen unser Leben. Wenn wir jedoch nur darauf schauen, was sie anders machen müssten, geben wir unseren eigenen Handlungsspielraum aus der Hand.
Wir haben immer eine Wahl – auch wenn sie manchmal klein, schwierig oder eingeschränkt ist. Manchmal können wir eine Situation konkret verändern. Manchmal besteht unsere Wahl darin, uns Hilfe zu holen, eine Grenze zu setzen oder eine Entscheidung vorzubereiten. Und manchmal können wir zunächst nur entscheiden, wie wir mit einer Situation umgehen und welchen nächsten Schritt wir gehen möchten.
Du bist nicht für alles verantwortlich, was Dir widerfährt. Aber Du kannst herausfinden, was in Deiner Hand liegt – und genau dort anfangen.
Ein Beispiel
Daniel macht die Arbeit keinen Spaß mehr. Sie ermüdet ihn zunehmend und raubt ihm Energie. Gleichzeitig verdient er gut und profitiert von vielen Sozialleistungen, die ihm das Leben erleichtern. Er ärgert sich oft darüber, dass er in seiner Freizeit kaum noch Energie hat, weil ihn die Arbeit nervt und er sich immer müder, angespannter und gestresster fühlt. Aber das Weihnachtsgeld ist gut, Urlaubsgeld bekommt er auch – vom bezahlten Fitnesstraining oder dem Firmenwagen ganz zu schweigen.
Daniel hat die Wahl, so weiterzumachen wie bisher oder etwas zu verändern: Er kann seine Einstellung zur Arbeit überprüfen, sich einen neuen Job suchen oder mit seinem Vorgesetzten über eine Stundenreduzierung oder bessere Abläufe sprechen. Vielleicht gibt es noch weitere Möglichkeiten. Auf den ersten Blick klingt vieles davon einfach. Doch gerade die scheinbar einfachen Schritte sind oft nicht leicht umzusetzen.
Daniels Chef, seine Kollegen oder der lange Arbeitsweg können durchaus dazu beitragen, dass er genervt, gestresst oder gelangweilt ist. Was sie tun oder nicht tun, liegt jedoch nur begrenzt in seiner Hand. Seine Verantwortung beginnt dort, wo er entscheiden kann, wie er mit der Situation umgeht und welchen nächsten Schritt er gehen möchte.
Er kann bleiben und versuchen, etwas zu verändern. Er kann sich Unterstützung holen, seine Arbeitszeit reduzieren oder nach einer anderen Stelle suchen. Dabei darf er abwägen, was ihm wichtiger ist: das sichere Einkommen und die Zusatzleistungen oder mehr Zeit, Zufriedenheit und Energie für sein Privatleben. Das eine muss das andere nicht unbedingt ausschließen. Manchmal braucht es den Mut, etwas Neues auszuprobieren oder sich selbst mehr zuzutrauen.
Tipp 5: Erkenne und eliminiere Deine Energieräuber
Es gibt viele Ursachen für Energiemangel. Mache Dir bewusst, welche Dinge, Menschen oder Situationen Dich besonders viel Kraft kosten.
Ist es
- die Nachbarin, die Dich bei jeder Begegnung mit ihren Klagen über Gott und die Welt nervt?
- der ständig nörgelnde Kollege, der mit seinem Job oder seinem Leben unzufrieden ist und Dir mit seinem Gejammer täglich die Stimmung im Büro vermiest?
- der chaotische Chef, der von Organisation wenig versteht und für Verbesserungsvorschläge kaum offen ist?
- das Kopfkino, das immer wieder beginnt, wenn sich Deine neue Bekanntschaft nicht wie verabredet meldet?
- Dein Partner, von dem Du Dich nicht ausreichend wertgeschätzt oder respektiert fühlst?
- die aufgeschobenen Aufgaben, die Dir im Nacken sitzen, weil Du dazu neigst, sie erst auf den letzten Drücker zu erledigen?
Vielleicht spielt auch Deine Ernährung eine Rolle. Vielleicht räumst Du Deine Wohnung nur selten auf und fühlst Dich durch das ständige Chaos belastet. Oder Du machst Dich immer wieder selbst klein, indem Du Dir einredest, nicht gut genug zu sein.
Es gibt eine Menge Dinge, die uns wertvolle Energie kosten können. Eines haben viele dieser Energieräuber gemeinsam: Sie beschäftigen uns immer wieder – bewusst oder unbewusst – und lassen uns weniger Kraft für die Dinge, die uns eigentlich wichtig sind.
Wir können nicht jeden Menschen und jede Situation verändern. Aber wir können prüfen, wie wir damit umgehen, welche Grenzen wir setzen und was wir in unserem eigenen Verhalten verändern möchten. Auch hier haben wir eine Wahl.
Tipp 6: Mach Dich locker
Niemand ist perfekt
Jeder hat einmal klein angefangen. Jeder hat irgendwann etwas Neues gelernt. Niemand ist von Anfang an perfekt in dem, was er tut.
Wichtig ist, dass man ins Tun kommt. Es ist nicht schlimm, wenn man am Anfang Fehler macht. Zerbrich Dir nicht zu lange den Kopf darüber, wie Du etwas perfekt machen kannst. Entscheidend ist zunächst, dass Du überhaupt anfängst. An den Feinheiten kannst Du später feilen.
- Es fällt Dir schwer, vor einer Gruppe von Menschen zu sprechen?
- Starte mit Deinen KollegInnen am Arbeitsplatz oder an der Universität. Frage Deine Vorgesetzten oder DozentInnen, ob Du die nächste Präsentation oder den nächsten Vortrag halten darfst.
- Es fällt Dir schwer, fremde Menschen anzusprechen?
- Fange mit der Person an der Kasse im Supermarkt an und übe ein wenig Smalltalk. Es macht nichts, wenn Du nicht weißt, was Du sagen sollst. Dann geht das Kassieren einfach weiter und Du bist gleich wieder weg. Du kannst auch in einem Supermarkt in einem anderen Stadtteil anfangen. 😉
- Frage eine fremde Person nach der Uhrzeit oder nach dem Weg. Sie kann schließlich nicht wissen, dass Du eigentlich weißt, wie spät es ist oder wo es langgeht. 😉
Du wirst sehen: Je öfter Du Dich traust, desto leichter wird es mit der Zeit. Meistens merken die anderen gar nicht, wenn wir uns verhaspeln oder etwas vergessen. Uns selbst fällt es viel stärker auf. Also bleib’ locker und traue Dich. 😊
Tipp 7: Kommuniziere offen und ehrlich
Stehe zu Deiner Meinung.
Auch wenn Deine Meinung manchmal unbequem oder für andere Menschen nicht nachvollziehbar ist: Wir dürfen auch mal anecken.
Wenn Dich jemand zum wiederholten Mal um einen Gefallen bittet, obwohl Du eigentlich keine Zeit oder keine Lust dazu hast, sage freundlich: „Nein, das passt für mich gerade nicht.“
Wenn Du für etwas keine Kapazität hast, darfst Du das offen sagen. Häufig stoßen klare und freundliche Worte auf mehr Verständnis, als wir zunächst erwarten. Und selbst wenn Dein Gegenüber enttäuscht reagiert, bedeutet das nicht automatisch, dass Deine Grenze falsch ist.
Verbiege Dich nicht, um es anderen recht zu machen. Wenn Dich jemand nach Deiner Meinung fragt, darfst Du ehrlich antworten, statt nur das zu sagen, was vermutlich gerne gehört wird.
Du wirst nicht von allen Menschen gemocht werden – ganz gleich, wie sehr Du Dich anpasst. Viele Menschen werden Dich aber gerade deshalb mögen und respektieren, weil Du offen und ehrlich bist und nicht zu allem „Ja und Amen“ sagst. Kompromisse sind gut und wichtig für unser Zusammenleben. Bleibe Dir dabei trotzdem selbst treu. Du bist gut, so wie Du bist.
Mini-Übung: Freundlich und klar Grenzen setzen
Mögliche Sätze, die Du je nach Situation verwenden kannst:
Im beruflichen Alltag:
- „Heute nicht – ich habe dafür gerade keine Kapazität.“
- „Ich kann [Aufgabe A] übernehmen. [Aufgabe B] schaffe ich heute allerdings nicht. Was ist Dir wichtiger?“
- „Für diese Woche habe ich keine Kapazität mehr. Ich melde mich am [Datum] bei Dir.“
- „Das liegt nicht in meinem Verantwortungsbereich. Ich empfehle Dir [Name]. Soll ich Euch kurz miteinander in Verbindung bringen?“
- „Ich brauche etwas Bedenkzeit und melde mich morgen bis [Uhrzeit] bei Dir.“
- „Ich kann es übernehmen, wenn [Bedingung/Zeitfenster]. Andernfalls geht es erst ab [Datum].“
- „Für diese Anfrage brauche ich [X Stunden beziehungsweise Information Y]. Passt das für Dich?“
- „Ich bleibe bei meinem Plan und sage hier Nein. Danke für Dein Verständnis.“
- „Ich möchte fair bleiben: Das sprengt aktuell meinen Rahmen. Als Alternative kann ich Dir [Vorschlag] anbieten.“
Im privaten Alltag:
- „Danke für die Einladung. Diesmal bin ich nicht dabei.“
- „Heute brauche ich den Abend für mich. Wir können gerne einen anderen Termin vereinbaren.“
- „Ich möchte darüber gerade nicht sprechen.“
- „Das kann ich Dir diesmal nicht abnehmen.“
- „Bitte kündige Deinen Besuch vorher an. Spontan passt es für mich nicht immer.“
- „Ich verstehe, dass Du Dir etwas anderes wünschst. Trotzdem bleibe ich bei meiner Entscheidung.“
- „Ich helfe Dir gerne für eine Stunde. Danach muss ich wieder los.“
- „Nein, das möchte ich nicht. Bitte akzeptiere das.“
Du musst Dich dabei nicht ausführlich rechtfertigen. Ein freundliches, klares Nein ist eine vollständige Antwort.
Scheiß drauf, was andere sagen. Du kannst es nie jedem recht machen.
Dein eigenes Ding zu machen, beginnt oft mit kleinen Entscheidungen. Das heißt nicht, dass es immer leicht ist. Viele Menschen werden verstehen, dass Du Dir selbst treu bleiben möchtest und deshalb vielleicht die eine oder andere Verhaltensweise änderst. Manche werden Dich sogar dafür bewundern, weil sie sich selbst noch nicht trauen, das zu tun, was ihnen wichtig ist.
Beginne damit, Dein Zuhause, Dein Arbeitsumfeld und Deinen Alltag so zu gestalten, dass Du Dich darin möglichst wohlfühlst und mehr Freude daran hast. Mache es Dir an Deinem Arbeitsplatz so angenehm wie möglich. Stelle Fotos von Menschen auf, die Dir wichtig sind, oder wähle einen Bildschirmhintergrund, der Dir gute Laune macht.
Nimm Dir ab und zu eine kleine Auszeit vom Alltag – und wenn es nur ein paar Minuten sind. Höre Deine Lieblingsmusik, schaue aus dem Fenster, mache ein kleines Workout, lies ein inspirierendes Gedicht oder rufe jemanden an, den Du magst. Tue regelmäßig etwas, das Dir persönlich Freude macht. Danach fällt es Dir vielleicht leichter, Dich wieder Deinen Aufgaben zu widmen.
Erforsche auch Deine Leidenschaften: Was möchtest Du in Dein Leben integrieren? Was möchtest Du verändern? Fehlt Dir Farbe, ein neues Outfit, eine Renovierung, Sport oder ein Abenteuer? Spüre in Dich hinein und traue Dich, neue Wege zu gehen. Probiere Dinge einfach aus. Nur so kannst Du herausfinden, was Dir wirklich Freude macht.
Du musst dabei nicht sofort den einen richtigen Weg finden. Wenn sich etwas als unpassend herausstellt, kannst Du die Richtung wieder ändern und etwas anderes ausprobieren. Gib Deinem Leben mehr Farbe und Schwung. Es wäre schade, wenn Du aus Angst oder Zweifeln nie herausfinden würdest, wofür Du wirklich brennst.
Authentizität ist einer der Schlüssel zu Deinem Glück.
Legst Du viel Wert auf die Meinung anderer?
Wie ist es bei Dir? Verbiegst Du Dich häufig, um es anderen recht zu machen, oder lebst Du Deine Interessen und Wünsche aus? Tust Du oft mehr für andere als für Dich selbst? Erzähl’ uns gerne in den Kommentaren davon.
Sharing is caring. ❤️😊
Claudia Gund
Gründerin & redaktionelle Stimme von innenklar.com
Alltagstaugliche Impulse für innere Klarheit und Selbstführung















Hallo Claudia,
ein schöner Artikel. Tipp 4 kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Seit ich mich nicht mehr den Situationen einfach nur füge, sondern sie pro-aktiv angehe, erreiche ich mehr als früher. Über die Energieräuber werde ich mir allerdings nochmal Gedanken machen, vielen Dank für die Anregung.
Liebe Grüße,
Sandra
Hallo Sandra,
alles ist eine Frage der Übung. Schön, dass Du pro-aktiv bist, das erleichtert Vieles, finde ich. Zu den Energieräubern gibt es eine schöne Übung, die meine Newsletter-Abonnenten erhalten, vielleicht magst Du die ja mal probieren.
Herzliche Grüße,
Claudia