Mehr fühlen, weniger denken.
Als ich mich selbst zu lieben begann
In meiner beruflichen Arbeit mit Menschen ist mir immer wieder klar geworden, wie wenig sich viele wirklich kennen. Wie wenig sie sich zutrauen … und wie unzufrieden oder sogar unglücklich sie sind … obwohl sie nach außen funktionieren.
Ich bin überzeugt, dass es darauf ankommt, sich selbst besser zu erkennen, sich anzunehmen, sich selbst freundlicher zu begegnen und vor allem: zu sich selbst zu stehen. Wir brauchen uns für andere nicht kleiner oder größer zu machen, als wir sind, und wir müssen auch nicht alles glauben, was wir denken. Je authentischer wir sind, desto freier können wir werden. Vielleicht nicht vollkommen frei. Aber freier… zufriedener… selbstbestimmter.
Dazu gehört auch, die eigenen Werte zu kennen. Was ist mir wichtig? Wie möchte ich leben? Was erwarte ich von anderen – und was bin ich selbst bereit zu geben? Wir müssen uns nicht so verbiegen, dass wir uns irgendwann kaum noch spüren oder kaum wiedererkennen, nur um „in der Gesellschaft“ zu funktionieren oder aus Angst, den Job zu verlieren.
Je mehr wir uns selbst und unser Herz ernst nehmen, desto klarer wird auch unser Umfeld. Es verändert sich nach und nach, und diese Veränderung kann teilweise schmerzhaft sein. Das ist Teil des Prozesses. Unser Umfeld passt dadurch besser zu uns und wird ehrlicher. Und mit der Zeit kann sich das Leben dann wieder ein Stück mehr nach dem eigenen anfühlen.
Je besser wir damit umgehen können, desto leichter fällt es uns.
Für diesen Gedanken habe ich ein Gedicht von Kim McMillen* herausgesucht. Im Netz gibt es unterschiedliche Angaben dazu, von wem der Text „Als ich mich selbst zu lieben begann“ stammt. Häufig wird er Charlie Chaplin zugeschrieben, angeblich als Rede zu seinem 70. Geburtstag. An anderer Stelle wird Kim McMillen*, eine amerikanische Autorin, genannt, die den Text kurz vor ihrem Tod verfasst haben soll.
Egal, welcher Name am Ende daruntersteht: Der Text ist schön. Und er bringt etwas auf den Punkt, das mir wichtig ist.
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Authentizität
Als ich mich selbst zu lieben begann, erkannte ich, dass Kummer und emotionaler Schmerz nur Warnzeichen dafür sind, dass ich gegen meine eigene Wahrheit lebe. Heute weiß ich, das nennt man „authentisch sein”.
Respekt
Als ich mich selbst zu lieben begann, verstand ich, wie sehr es jemanden verletzen kann, wenn ich versuche, diesem Menschen meine Wünsche aufzuzwingen, auch wenn ich eigentlich weiß, dass weder die Zeit reif noch dieser Mensch dazu bereit ist – das gilt auch, wenn dieser Mensch ich selbst bin. Heute weiß ich, das nennt man „Respekt”.
Reife
Als ich mich selbst zu lieben begann, hörte ich auf, mich nach einem anderen Leben zu sehnen, und ich konnte sehen, dass alles, was mich umgibt, mich einlädt zu wachsen. Heute nenne ich dies „Reife”.
Selbstvertrauen
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass alles, was geschieht, richtig ist – von da an ruhte ich in mir. Heute weiß ich, das nennt sich „Selbstvertrauen„.
Einfachheit
Als ich mich selbst zu lieben begann, hörte ich auf, mir selbst meine eigene Zeit zu stehlen und ich hörte auf, große Pläne für die Zukunft zu entwerfen. Heute mache ich nur das, was mir Freude und Glück bringt, Dinge, die ich gerne tue und die mein Herz zum Lachen bringen, und ich tue sie auf meine eigene Art und Weise und in meinem eigenen Tempo. Heute weiß ich, das nennt man „Einfachheit”.
Selbstliebe
Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, befreite ich mich von allem, das nicht gut für meine Gesundheit ist – von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem, das mich immer wieder herunterzieht und von mir selbst wegführt. Anfangs nannte ich diese Haltung einen “gesunden Egoismus”, aber heute weiß ich, dass es die „Liebe zu sich selbst“ ist.
Bescheidenheit
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen. Seitdem habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich erkannt, das nennt man „Bescheidenheit“.
Erfüllung
Als ich mich selbst zu lieben begann, weigerte ich mich, weiterhin in der Vergangenheit zu leben und mich um die Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur noch für den Moment, wo ALLES stattfindet. Heute lebe ich jeden Tag einfach nur Tag für Tag und ich nenne es „Erfüllung”.
Weisheit des Herzens
Als ich mich selbst zu lieben begann, da erkannte ich, dass mich mein Verstand verstören und krank machen kann. Doch als ich meinen Verstand mit meinem Herzen verbunden hatte, wurde er ein wertvoller Verbündeter. Diese Verbindung nenne ich heute „Weisheit des Herzens”.
Das Leben
Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen zu fürchten, denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander, und daraus entstehen neue Welten. Heute weiß ich, das ist das „Leben“!
Claudia Gund
Gründerin & redaktionelle Stimme von innenklar.com
Alltagstaugliche Impulse für innere Klarheit und Selbstführung

















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