Mehr fühlen, weniger denken.

Hygge im Alltag: Mini-Übungen für mehr Ruhe zwischen zwei Terminen

Der Wecker klingelt, die To-do-Liste ist voll, E-Mails poppen auf, zwischendurch gibt es noch einen Anruf – und plötzlich ist es Abend. Viele Tage fühlen sich an, als würde ein Band einfach durchlaufen, ohne Pause-Taste.

Hygge kann genau da ansetzen. In Dänemark beschreibt „Hygge” ein Lebensgefühl aus Wärme, Verbundenheit und dem bewussten Genießen kleiner Momente als Schutzraum vor dem „Draußen”. Es geht weniger um Deko als darum, kurze Inseln zu schaffen, in denen Dein Nervensystem durchatmen darf.

Forschungsergebnisse zeigen, dass Mini-Pausen von wenigen Minuten – sogenannte Microbreaks – Müdigkeit verringern, die Konzentration und das Wohlbefinden verbessern und die Arbeitsleistung weder verschlechtern noch beeinträchtigen, sondern eher stabilisieren. Ähnlich belegen Studien, dass schon kurze Achtsamkeitsübungen Stress und Anspannung reduzieren können.

In diesem Artikel findest Du Hygge-Mini-Übungen, die Du in 2–5 Minuten in Deinen Alltag einbauen kannst – im Büro, zu Hause, zwischen zwei Terminen oder abends auf dem Sofa.

Warum passen Hygge und Mini-Pausen so gut zusammen?

Hygge bedeutet:
Kurze Momente der Geborgenheit in einen vollen Alltag einzuweben.

Das kann zum Beispiel sein:

  • Wärme auf der Haut
  • ein ruhiger Blick aus dem Fenster
  • eine Tasse Tee ohne Handy
  • ein Licht, das Dir signalisiert: „Jetzt ist kurz Pause.“

Aus psychologischer Sicht sind solche Mikro-Momente nicht belanglos. Die Broaden-and-Build-Theorie zeigt, dass positive Emotionen unsere Wahrnehmung und Gedanken kurz „weiten” und langfristig Ressourcen wie Resilienz, soziale Verbundenheit und innere Stärke aufbauen.

Gleichzeitig legen Meta-Analysen nahe, dass kurze Unterbrechungen – sei es in Form einer Bewegungs-Pause, eines Blicks aus dem Fenster oder einer kleinen Achtsamkeitsübung – dabei helfen, mentale Erschöpfung abzubauen und wieder klarer zu denken.

Hygge-Mini-Übungen verbinden beides:

  • ein konkretes, körperliches Erlebnis (Wärme, Duft, Licht, Kontakt)
  • mit einem mentalen Mini-Stopp („Ich bin jetzt hier, nicht im Kopf-Karussell“)

Wie Du die Hygge-Mini-Übungen nutzen kannst

Bevor wir in die konkreten Übungen einsteigen, möchte ich Dich zu etwas einladen:

  • Statt: „Ich müsste eigentlich zehn Dinge ändern.“
  • lieber: „Ich probiere eine Sache aus – und schaue, wie es sich anfühlt.“

Du kannst Dir beispielsweise vornehmen:

  • morgens eine Mini-Übung
  • tagsüber eine
  • abends eine.

Mehr muss es nicht sein. Oft sind viele kleine Signale hilfreicher als eine einzige „große Maßnahme“, die Du nach zwei Tagen nicht mehr schaffst.

Auf der Seite „Mini-Übungen“ findest Du weitere Varianten und kannst Dir Deine eigenen Lieblingsübungen zusammenstellen.

HYGGE-ÜBUNG

Teepause – drei Atemzüge zum Ankommen

Diese Übung ist eine hygge-angehauchte Version Deines Genuss-Moments und der Drei-Atemzüge-Tasse.

Wann sie Dir gut tun kann:

Wenn Dein Kopf voll ist, Du aber nur zwei, drei Minuten Zeit hast.

So kannst Du sie ausprobieren:

  • Mach Dir eine Tasse Tee, Kaffee oder Kakao
  • Bevor Du den ersten Schluck nimmst, halte die Tasse mit beiden Händen
  • Spüre für drei Atemzüge nur:
    • die Wärme an Deinen Fingern
    • den Geruch, der Dir entgegen steigt
    • das Gewicht der Tasse in Deinen Händen.

Erst danach trinkst Du langsam einen Schluck und bemerkst bewusst Geschmack und Wärme im Körper.

Das ist kein „Achtsamkeits-Perfektionismus“, sondern ein kleines „Ich bin wieder da“-Signal an Dein Nervensystem.

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HYGGE-ÜBUNG

Mini-Hygge-Ecke – Deine kleine Pause im Blickfeld

In vielen Hygge-Artikeln taucht der Begriff „Hyggekrog“ auf – eine kleine Ecke, in der man sich zurückziehen kann, mit Kissen, Decke, Licht und Lieblingssachen.

Du kannst Dir eine kleine Version davon bauen, selbst wenn Du nur wenig Platz hast.

Wann sie Dir gut tun kann:

Um Deinen Augen und Deinem Kopf regelmäßig eine Pause von Bildschirmen zu geben.

So kannst Du sie ausprobieren:

  • Suche Dir eine kleine Ecke in Deinem Blickfeld: zum Beispiel
    • eine hübsche Lampe auf dem Schreibtisch
    • ein Bild, ein kleines Regalbrett
    • oder einen festen Platz am Fenster
  • Mach aus dieser Mini-Ecke einen gemütlichen („hyggeligen“) Ort:
    • eine kleine Pflanze, Postkarte oder eine Kerze
    • vielleicht eine Decke über dem Stuhl
  • Mehrmals am Tag:
    • Schau nur eine Minute dorthin
    • lass die Schultern bewusst sinken
    • atme tief ein und aus
    • Deine Affirmation für diesen Moment: „Hier darf ich kurz entspannen.“

Du kannst diese Ecke auch mit einer Deiner Mini-Übungen verbinden, zum Beispiel mit Deinem „Mikro-Check“ („Was spüre ich gerade im Körper, was fühle ich emotional, was brauche ich?“).

Starte Deine Reise ins Glück

HYGGE-ÜBUNG

Fenster-Moment – Gegenwarts-Scan für jetzt

Deine Mini-Übung „Gegenwarts-Scan“ lässt sich wunderbar mit Hygge verbinden: ein kurzer Moment, in dem Du mit Deinen Sinnen im Hier und Jetzt ankommst.

Wan sie Dir gut tun kann:

Wenn Du merkst, dass Deine Gedanken ständig um ein Thema kreisen und Du nur noch wenig von Deiner Umgebung wahrnimmst.

So kannst Du sie ausprobieren:

  • Stelle oder setze Dich ans Fenster
  • Schaue bewusst nach draußen:
    • Ist das Licht hell, grau, warm oder kalt?
    • Welche Bewegung nimmst Du wahr? Bäume, Menschen, Autos, Wolken…
    • Sind die Farben eher kühl oder warm?
  • Schließe die Augen und spüre in Dich hinein.
    • Was höre ich gerade?
    • Was spüre ich an der Haut (Temperatur, Kleidung, Luft)?
    • Was atme ich ein (Luft, Duft, vielleicht Kaffee oder Essen)?

Studien zeigen, dass kurze Pausen mit Blick ins Freie oder in die Natur Stress verringern und die Aufmerksamkeit wieder stabilisieren können.

Scheiß* drauf, was andere sagen. Du kannst es nie jedem recht machen

HYGGE-ÜBUNG

Kuschelzeit mit Decke – Wärme für Schultern und Herz

Hygge steht auch für das Gefühl, sich „eingehüllt“ zu fühlen. Wärme wirkt auf viele Menschen beruhigend, weil sie Sicherheit und Geborgenheit signalisiert.

Wann sie Dir gut tun kann:

Wenn Du Dich innerlich kalt und angespannt fühlst.

So kannst Du sie ausprobieren:

  • Nimm eine Decke, einen Schal oder eine dicke Jacke
  • Setze Dich hin und lege die Decke über die Schultern oder Beine
  • Spüre eine Minute lang nur:
    • Wo berührt der Stoff meine Haut?
    • Wo wird es langsam wärmer?
    • Wie sitzt Du auf dem Stuhl oder Sofa?

Wenn Gedanken kommen, kannst Du diese Affirmation nutzen: „Ich darf später weiterdenken. Jetzt ist Kuschelzeit.“

Was ist Resilienz?

HYGGE-ÜBUNG

Dein Duftanker – ein „Jetzt ist Pause“-Signal

Düfte beeinflussen, wie wir uns fühlen und uns an Dinge erinnern. Deshalb können bestimmte Gerüche Erinnerungen und Stimmungen auslösen.

Du kannst das für Dich nutzen, indem Du Dir einen Duftanker für „Pause“ anlegst.

Wann sie Dir gut tun kann:

Das ist ein kurzes Signal, das bedeutet, dass jetzt Pause ist – selbst wenn außen viel los ist.

So kannst Du sie ausprobieren:

  • Wähle einen Duft, der Dich entspannt oder auch beruhigt, zum Beispiel
    • eine bestimmte Duftkerze
    • ein bestimmtes ätherisches Öl, zum Beispiel in einem Rollstift oder in einem Diffusor
    • ein Raumspray mit sanfter Note
  • Nutze diesen Duft nur dann, wenn Du Dir bewusst eine Mini-Pause gönnst
  • Jedes Mal, wenn Du den Duft wahrnimmst:
    • atme drei Mal tief ein und aus.
    • spüre Deinen Körper kurz.
    • Frag Dich: „Was brauche ich in den nächsten fünf Minuten?“
    Mit der Zeit verknüpft Dein Gehirn diesen Duft automatisch mit „Pause“ und Entspannung. Je öfter Du das machst, desto schneller wirst Du Dich mit der Zeit entspannen.

Wie Du Deine eigenen Hygge-Rituale baust

Du musst Dich nicht auf diese fünf Übungen beschränken. Hygge lebt davon, dass es Deinen Alltag widerspiegelt.

Diese drei Fragen helfen Dir, eigene Rituale zu finden:

  1. Was gibt mir ein Gefühl der Geborgenheit?
    Wärme, Licht, eine bestimmte Musik, ein Geruch, ein Satz?
  2. Was davon lässt sich in 2–5 Minuten durchführen?
    Nicht „ein ganzer Wellness-Abend“, sondern eine kleine, konkrete Handlung.
  3. Wie erinnere ich mich daran?
    Zettel am Monitor, Tasse auf dem Schreibtisch, Kerze neben dem Bett, Timer im Handy.

Die Forschung zu Microbreaks und kurzen Achtsamkeitsübungen zeigt: Es müssen nicht die großen Veränderungen sein. Kleine, gut gewählte Pausen helfen schon, Stress zu reduzieren, Konzentration zu stabilisieren und auf Dauer widerstandsfähiger zu werden.

Lust auf mehr Hygge und Mini-Übungen?

Wenn Du magst, kannst Du jetzt direkt weitermachen:

  • Im Artikel Hygge zu Weihnachten: Mach es Dir gemütlich an den Feiertagen findest Du Ideen für Lichtinseln, Düfte, Essen und Geschenke, die sich wunderbar mit diesen Mini-Übungen kombinieren lassen.

  • Auf unserer Seite Mini-Übungen kannst Du Dir ein kleines Übungs-Menü zusammenstellen und Deine Lieblings-Hygge-Momente markieren.

  • Und vielleicht entsteht im Laufe der Zeit ganz von allein ein persönliches Hygge-Ritual, das Dich durchs ganze Jahr begleitet – nicht nur durch den Winter.

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In Kürze

Resilienz – kleines Gänseblümchen wächst in trockenem, sandigem Boden.

Mini-FAQ

Reichen Mini-Übungen von 2–5 Minuten überhaupt, um Stress zu reduzieren?

Auch kurze Pausen können einen Unterschied machen. Studien zeigen, dass Microbreaks, also kurze Ruhepausen, die Müdigkeit verringern und die Konzentration und das Wohlbefinden verbessern können. Wichtig ist, dass Du in dieser Zeit kurz aus dem Alltag aussteigst. Das kannst Du zum Beispiel mit einer Teepause, einem Blick aus dem Fenster oder einem Moment mit Deiner Decke machen.

Wie oft sollte ich kleine Hygge-Übungen in meinen Alltag einbauen?

Es muss kein großes Programm sein. Starte gerne damit, Dir drei kleine Anker in den Tag zu legen: eine Mini-Übung am Morgen, eine irgendwann zwischendurch und eine am Abend. Wenn das gut funktioniert, kannst Du bei Bedarf mehr einbauen. Wichtig ist, dass die Übungen sich freundlich und machbar anfühlen – nicht wie eine weitere Pflicht auf Deiner To-do-Liste.

Was, wenn ich bei den Übungen ständig abschweife und weiterdenke?

Das ist ganz normal. Dein Kopf ist es gewohnt, Probleme zu wälzen und vorauszuplanen. Wenn Du merkst, dass Du abschweifst, musst Du nichts „wegdrücken“. Nimm den Gedanken kurz wahr und sag Dir innerlich: „Ich kümmere mich später darum. Jetzt sind zwei Minuten Pause.“ Dann lenkst Du Deine Aufmerksamkeit sanft zurück – zum Beispiel auf die Wärme Deiner Tasse, den Duft der Kerze oder den Blick nach draußen. Jede Rückkehr ist bereits Teil der Übung.

Brauche ich für Hygge im Alltag unbedingt Kerzen, Decken und neue Deko?

Nein. Hygge lebt von der Stimmung, nicht von perfekter Ausstattung. Wenn Du Kerzen, Decken oder ein schönes Rezeptbuch zu Hause hast, kannst Du sie natürlich einbauen. Genauso gut funktionieren aber auch Dinge, die schon vorhanden sind: eine Tasse, ein Fensterplatz, ein Notizbuch, ein Lieblingspulli… Entscheidend ist, dass sich der Moment warm und freundlich anfühlt – nicht, dass alles „hyggelig genug“ aussieht.

Claudia Gund teilt auf innenklar.com alltagstaugliche Impulse für Resilienz und Achtsamkeit – mit Fokus auf Authentizität, Selbstfürsorge und kleine Momente fürs Herz.

Claudia Gund

Trainerin für Resilienz, Achtsamkeit und Entspannung, www.innenklar.com

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Hallo, ich bin Claudia

Ich schreibe über Selbstfürsorge, Resilienz und kleine Herz‑Momente im Alltag. Innen klar heißt für mich: weniger Druck, mehr Fühlen – und sanft bei Dir ankommen.

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